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Welches Messing ist bleifrei?

Andre Matthias ·
Polierte Messingstäbe und -stangen auf Stahloberfläche, einer im Querschnitt mit goldenem Kern, Metallspäne daneben.

Messing gilt seit Jahrhunderten als vielseitiger Werkstoff, der Korrosionsbeständigkeit, gute Umformbarkeit und ansprechende Optik vereint. Doch ein Bestandteil klassischer Messinglegierungen gerät zunehmend unter regulatorischen Druck: Blei. Wer heute nach bleifreiem Messing sucht, stößt auf eine wachsende Auswahl an Legierungen, die ohne diesen Zusatz auskommen und dennoch zuverlässig verarbeitbar sind. Dieser Beitrag gibt einen strukturierten Überblick darüber, welche bleifreien Messinglegierungen es gibt, wie sie sich verarbeiten lassen und wo sie eingesetzt werden.

Blei in Messing: Warum klassische Legierungen unter Druck geraten

Blei wurde Messinglegierungen über Jahrzehnte gezielt zugesetzt, weil es die Zerspanbarkeit erheblich verbessert. Kleine Bleianteile von ein bis drei Prozent sorgen dafür, dass Späne beim Drehen oder Fräsen kurz brechen, Werkzeuge weniger verschleißen und höhere Schnittgeschwindigkeiten möglich sind. Diese Eigenschaften machten bleihaltige Sorten wie CW614N zur bevorzugten Wahl in der automatisierten Serienproduktion.

Seit der EU-Richtlinie RoHS (Restriction of Hazardous Substances) und deren schrittweiser Verschärfung ist Blei in vielen Produktkategorien entweder verboten oder streng limitiert. Hinzu kommen Anforderungen aus der Trinkwasserverordnung, die für wasserführende Armaturen und Fittings den Bleianteil im Werkstoff begrenzt. Für Hersteller bedeutet das: Wer langfristig lieferfähig bleiben will, muss sich mit bleifreien Messinglegierungen auseinandersetzen, auch wenn die Umstellung zunächst Anpassungen in der Fertigung erfordert.

Die wichtigsten bleifreien Messinglegierungen im Überblick

Bleifreies Messing ist kein einzelner Werkstoff, sondern eine Gruppe von Legierungen mit unterschiedlichen Zusammensetzungen und Eigenschaften. Die Wahl der richtigen Variante hängt vom Anwendungsfall, den geforderten mechanischen Eigenschaften und den Verarbeitungsverfahren ab.

CW510L (Messing 63/37)

CW510L ist eine der gebräuchlichsten bleifreien Messinglegierungen und enthält rund 63 Prozent Kupfer sowie 37 Prozent Zink. Sie eignet sich gut für Kaltumformung und wird häufig als Ausgangsmaterial für Stangen, Rohre und Profile verwendet. Die Zerspanbarkeit ist im Vergleich zu bleihaltigen Sorten geringer, aber für viele Anwendungen ausreichend.

CW724R (Eco Brass)

CW724R, besser bekannt unter dem Markennamen Eco Brass, enthält statt Blei einen geringen Siliziumanteil. Dieser Zusatz verbessert die Spanbildung deutlich und bringt die Zerspanungseigenschaften näher an bleihaltige Legierungen heran. Eco Brass gilt als die technisch ausgefeilteste bleifreie Alternative für die Zerspanung und ist RoHS-konform sowie für Trinkwasseranwendungen zugelassen.

Weitere Legierungen

Daneben existieren schwefelhaltige Varianten wie CW511L sowie spezielle bismuthaltige Legierungen, die ebenfalls verbesserte Zerspanungseigenschaften bieten. Bismut verhält sich metallurgisch ähnlich wie Blei, ist aber gesundheitlich unbedenklich. Diese Sorten sind jedoch weniger weit verbreitet und in der Regel teurer als Eco Brass.

Zerspanbarkeit und Verarbeitung bleifreier Messinglegierungen

Die Verarbeitung von Messing ohne Blei stellt höhere Anforderungen an Maschinen, Werkzeuge und Parameter als der Umgang mit klassischen bleihaltigen Sorten. Das liegt daran, dass Blei im Gefüge als Schmiermittel wirkt und den Span beim Trennen schwächt. Ohne diesen Effekt entstehen längere, zähere Späne, die Werkzeuge stärker belasten und bei ungeeigneten Einstellungen zu Aufbauschneiden führen können.

Für die Praxis bedeutet das: Werkzeuge mit scharfer Geometrie, höheren Schnittgeschwindigkeiten und ausreichender Kühlung sind bei bleifreiem Messing wichtiger als bei CW614N. Eco Brass (CW724R) nimmt hier eine Sonderstellung ein, weil das enthaltene Silizium die Spanbildung verbessert und die notwendigen Anpassungen geringer ausfallen. Wer von einer bleihaltigen auf eine bleifreie Legierung umstellt, sollte Zerspanungsversuche einplanen und Schnittparameter gezielt optimieren.

Bei der Kaltumformung verhält sich CW510L ähnlich wie vergleichbare bleihaltige Sorten. Tiefziehen, Biegen und Stanzen sind ohne größere Einschränkungen möglich. Für Fließpressteile oder komplexe Drehteile in hoher Stückzahl ist jedoch eine sorgfältige Legierungsauswahl entscheidend.

Anwendungsgebiete: Welche Branchen setzen auf bleifreies Messing?

Die Nachfrage nach Messing ohne Blei kommt aus Branchen, in denen regulatorische Anforderungen oder Produktsicherheit direkten Einfluss auf die Werkstoffwahl haben.

In der Sanitär- und Installationstechnik schreibt die Trinkwasserverordnung vor, dass wasserberührende Bauteile strenge Grenzwerte für Blei einhalten müssen. Armaturen, Fittings und Ventilkörper aus Eco Brass erfüllen diese Anforderungen und lassen sich gleichzeitig wirtschaftlich zerspanen. Im Bereich der Medizintechnik gelten ähnlich strenge Anforderungen, hier kommt häufig Medical Brass zum Einsatz, eine Legierungsgruppe, die speziell für den Kontakt mit Körperflüssigkeiten oder sterilen Umgebungen entwickelt wurde.

Die Elektronikindustrie setzt RoHS-konformes Messing für Steckverbinder, Kontaktteile und Gehäusekomponenten ein, da bleihaltige Werkstoffe in vielen Produktkategorien nicht mehr zugelassen sind. Auch im Maschinen- und Anlagenbau wächst der Bedarf, insbesondere wenn Endprodukte in Märkte exportiert werden, die strenge Umwelt- und Gesundheitsvorschriften kennen. Kupfer, Messing und Bronze sind in diesen Branchen etablierte Werkstoffe, deren bleifreie Varianten zunehmend die klassischen Legierungen ersetzen.

Eco Brass und Medical Brass bei KLEINEBERG

H.KLEINEBERG GmbH bietet bleifreie Messinglegierungen als Teil eines breiten Sortiments an Sonderwerkstoffen und Speziallegierungen an. Für Fertigungs- und Engineering-Betriebe, die auf Eco Brass (CW724R) oder Medical Brass angewiesen sind, bietet KLEINEBERG folgende Vorteile:

  • Lagerware in gängigen Abmessungen, kurzfristig verfügbar ohne lange Vorlaufzeiten
  • Fixlängen-Zuschnitte aus dem eigenen Sägemaschinenpark, Einzelschnitte zum Folgetag möglich
  • Persönliche Beratung durch einen erfahrenen Vertrieb, der Legierungsunterschiede kennt und bei der Werkstoffauswahl unterstützt
  • Lieferung im gesamten norddeutschen Raum mit eigenem LKW-Fuhrpark
  • Qualitätsmanagementsystem nach DIN EN ISO 9001, zertifiziert durch den TÜV-Nord

Wer auf der Suche nach einem zuverlässigen Lieferanten für bleifreies Messing ist oder Fragen zur richtigen Legierungsauswahl hat, kann das KLEINEBERG-Team direkt kontaktieren. Eine schnelle Rückmeldung und fundierte Beratung gehören zum Selbstverständnis des Unternehmens. Jetzt Kontakt aufnehmen und Verfügbarkeit anfragen.

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