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Welche Stähle lassen sich gut schweißen?

Andre Matthias ·
Schweißer in Schutzhandschuhen schweißt eine glühende Stahlverbindung, orangefarbene Funken sprühen auf dunkle Werkbank.

Die Frage, welche Stähle sich gut schweißen lassen, gehört zu den praktischsten Fragen im Metallverarbeitungsbetrieb. Nicht jeder Stahl verhält sich unter Wärmeeinwirkung gleich, und eine falsche Werkstoffwahl kann zu Rissen, Verzug oder spröden Schweißnähten führen. Wer schweißgeeignete Stähle gezielt auswählt, spart Zeit, vermeidet Ausschuss und erzielt reproduzierbar gute Ergebnisse.

Kohlenstoffgehalt als entscheidender Faktor

Die Schweißbarkeit eines Stahls hängt in erster Linie vom Kohlenstoffgehalt ab. Kohlenstoff beeinflusst, wie stark sich das Gefüge beim Erwärmen und anschließenden Abkühlen verändert. Ein hoher Kohlenstoffgehalt erhöht die Härtbarkeit des Stahls, macht ihn aber gleichzeitig anfälliger für Aufhärtungszonen in der Wärmeeinflusszone (WEZ) neben der Schweißnaht. Diese Zonen können spröde werden und unter Belastung reißen.

Als Faustregel gilt: Stähle mit einem Kohlenstoffgehalt unter 0,22 % lassen sich in der Regel ohne besondere Vorwärmung schweißen. Zwischen 0,22 % und etwa 0,35 % ist Vorwärmen oft empfehlenswert. Oberhalb von 0,35 % steigt das Rissrisiko deutlich, und die Verarbeitung erfordert spezifische Maßnahmen wie kontrollierte Wärmeführung oder Nachglühen. Neben dem Kohlenstoff spielen auch Legierungselemente wie Mangan, Chrom, Molybdän und Nickel eine Rolle, weshalb der sogenannte Kohlenstoffäquivalent-Wert (CEV) eine zuverlässigere Beurteilung ermöglicht als der Kohlenstoffgehalt allein.

Gut schweißbare Stahlgruppen im Überblick

Mehrere Stahlgruppen gelten als besonders gut schweißgeeignet und werden deshalb im Maschinenbau, im Stahlbau und in der Blechverarbeitung bevorzugt eingesetzt.

Baustähle nach EN 10025, etwa S235 oder S355, gehören zu den am häufigsten geschweißten Werkstoffen überhaupt. Ihr niedriger Kohlenstoffgehalt und die moderate Festigkeit machen sie unkompliziert in der Verarbeitung. Baustahl schweißen ist für die meisten Betriebe Tagesgeschäft, und diese Güten lassen sich mit gängigen Verfahren wie MAG, MIG oder Elektrode ohne Vorwärmung verarbeiten.

Feinkornbaustähle wie S420 oder S460 bieten höhere Festigkeit bei gleichzeitig guter Schweißbarkeit, weil sie durch mikrolegierte Zusammensetzung und thermomechanisches Walzen hergestellt werden. Der CEV liegt trotz höherer Festigkeit oft in einem unkritischen Bereich.

Austenitische Edelstähle wie 1.4301 (V2A) oder 1.4401 (V4A) lassen sich ebenfalls gut schweißen, erfordern aber angepasste Parameter. Die Wärmeeinbringung sollte gering gehalten werden, um Korrosionsbeständigkeit und Gefügestruktur nicht zu beeinträchtigen. Beim Edelstahl schweißen empfiehlt sich zudem die Verwendung passender Zusatzwerkstoffe, die auf die jeweilige Legierung abgestimmt sind.

Stähle mit eingeschränkter oder schlechter Schweißbarkeit

Nicht jeder Stahl ist für das Schweißen geeignet, und einige Werkstoffe erfordern so aufwändige Maßnahmen, dass alternative Fügeverfahren wirtschaftlicher sein können.

Werkzeugstähle wie C45 oder C60 haben einen vergleichsweise hohen Kohlenstoffgehalt und neigen in der WEZ zu Martensitbildung. Das Ergebnis sind harte, spröde Bereiche, die bei dynamischer Belastung versagen können. Schweißen ist zwar technisch möglich, aber nur mit Vorwärmung, langsamer Abkühlung und oft anschließendem Spannungsarmglühen. Für viele Anwendungen ist das ein erheblicher Mehraufwand.

Ähnliches gilt für gehärtete und vergütete Stähle, bei denen das Schweißen die erzielte Wärmebehandlung partiell rückgängig macht. Gusseisen ist aufgrund seines sehr hohen Kohlenstoffgehalts und der Graphitstruktur noch schwieriger zu schweißen und verlangt spezielle Verfahren und Elektroden. Ferritische und martensitische Edelstähle lassen sich zwar schweißen, neigen aber stärker zu Versprödung als austenitische Varianten und erfordern ebenfalls eine angepasste Prozessführung.

Praktische Hinweise für die Werkstoffauswahl

Wer Schweißkonstruktionen plant, sollte die Werkstoffauswahl frühzeitig im Konstruktionsprozess treffen, nicht erst, wenn der Zuschnitt bereits bestellt ist. Die Festigkeitsanforderungen und die Schweißbarkeit müssen gemeinsam bewertet werden.

Folgende Punkte helfen bei der Entscheidung:

  • Den Kohlenstoffäquivalent-Wert (CEV) aus dem Werkstoffzeugnis entnehmen und mit den Grenzwerten des eingesetzten Schweißverfahrens abgleichen
  • Bei Stählen mit CEV über 0,45 grundsätzlich die Vorwärmtemperatur berechnen oder mit dem Schweißfachbetrieb abstimmen
  • Normgerechte Werkstoffbezeichnungen verwenden und Zeugnisse nach EN 10204 anfordern, um die tatsächliche Zusammensetzung zu kennen
  • Schweißzusatzwerkstoffe auf den Grundwerkstoff abstimmen, besonders bei legierten Stählen und Edelstählen
  • Bei Mischverbindungen (z.B. Baustahl mit Edelstahl) die Kompatibilität der Werkstoffe vorab prüfen

Für Fixzuschnitte auf Maß, die direkt in den Schweißprozess eingehen, lohnt es sich, bereits beim Materialbezug auf exakte Abmessungen zu achten. Toleranzen, die durch Sägeschnitte entstehen, können die Passgenauigkeit von Schweißbaugruppen beeinflussen. Präzise Fixlängen direkt vom Händler reduzieren den Nachbearbeitungsaufwand im Betrieb.

Wie KLEINEBERG bei der Stahlauswahl unterstützt

Die H.KLEINEBERG GmbH liefert schweißgeeignete Stähle in allen gängigen Güten und Abmessungen direkt ab Lager, mit kurzen Lieferzeiten in den norddeutschen Raum. Wer nicht sicher ist, welcher Werkstoff für eine Schweißkonstruktion geeignet ist, kann sich direkt an den erfahrenen Vertrieb wenden. KLEINEBERG bietet dabei konkrete Unterstützung:

  • Breites Lagersortiment an Baustählen, Feinkornbaustählen und austenitischen Edelstählen in verschiedenen Profilen und Abmessungen
  • Werkstoffzeugnisse nach EN 10204 auf Anfrage
  • Fixzuschnitte auf Maß durch den eigenen Sägemaschinenpark, auch als Einzelschnitte zum Folgetag
  • Persönliche Beratung durch Vertriebsmitarbeiter mit langjähriger Erfahrung im Metallhandel

Für eine unverbindliche Anfrage oder Beratung steht das Team von KLEINEBERG gern zur Verfügung. Nehmen Sie direkt Kontakt auf und schildern Sie Ihren Bedarf.

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