Zum Hauptinhalt springen

Welches Messing ist RoHS-konform?

Andre Matthias ·
Messingrohre und Flachstäbe auf Stahloberfläche, ein Stab mit grünem Qualitätsetikett, warme Goldtöne unter Industriebeleuchtung.

Wer Messingbauteile für elektronische Geräte, Medizintechnik oder andere regulierte Anwendungen beschafft, stößt früher oder später auf die Frage der RoHS-Konformität. Die Antwort klingt simpel, ist es in der Praxis aber nicht: Nicht jedes Messing ist automatisch RoHS-konform, und die Auswahl des falschen Werkstoffs kann kostspielige Nacharbeiten oder sogar Marktsperren nach sich ziehen. Wer die Unterschiede zwischen den gängigen Messingsorten kennt, trifft die richtige Wahl bereits bei der Bestellung.

RoHS-Richtlinie und ihre Bedeutung für Messinglegierungen

Die RoHS-Richtlinie (Restriction of Hazardous Substances) der Europäischen Union begrenzt den Einsatz bestimmter gefährlicher Stoffe in elektrischen und elektronischen Geräten. Seit der überarbeiteten Fassung RoHS 2 (2011/65/EU) und deren Erweiterung durch RoHS 3 (2015/863/EU) gilt ein Bleigrenzwert von maximal 0,1 Gewichtsprozent in homogenen Werkstoffen. Für Messing ist das ein Problem, denn klassische Automatenmessingsorten enthalten zur Verbesserung der Zerspanbarkeit oft zwei bis vier Prozent Blei.

Betroffen sind alle Hersteller, die Endprodukte auf dem europäischen Markt in Verkehr bringen, sowie deren Zulieferer. Das bedeutet: Auch ein Lohnfertiger, der Messingdrehteile für einen Gerätehersteller produziert, trägt Mitverantwortung dafür, dass der verwendete Werkstoff die Anforderungen erfüllt. Die Richtlinie gilt zwar primär für Elektro- und Elektronikgeräte, wird aber in der Praxis zunehmend auch in anderen Branchen als Qualitätsstandard herangezogen.

Welche Messingsorten als RoHS-konform gelten

Nicht jede Messinglegierung fällt automatisch unter die RoHS-Beschränkungen, und nicht jede bleihaltige Legierung ist per se verboten. Entscheidend ist der tatsächliche Bleigehalt im homogenen Werkstoff und der spezifische Verwendungszweck des Endprodukts.

Standardlegierungen wie CuZn39Pb3 (MS 58) oder CuZn36Pb3 enthalten typischerweise zwei bis drei Prozent Blei und überschreiten den RoHS-Grenzwert deutlich. Diese Sorten sind für RoHS-pflichtige Anwendungen grundsätzlich nicht geeignet. Legierungen mit niedrigerem Bleigehalt, etwa CuZn40Pb0,5, bewegen sich in einer Grauzone und müssen im Einzelfall bewertet werden. Sicher auf der richtigen Seite stehen nur Legierungen, die nachweislich unter 0,1 Gewichtsprozent Blei liegen, also bleifreies Messing im eigentlichen Sinne.

Zu beachten ist außerdem, dass die RoHS-Richtlinie bestimmte Ausnahmen definiert. Für Messing in Trinkwasseranwendungen oder bestimmte Industrieanlagen gelten teils abweichende Regelungen. Diese Ausnahmen sind jedoch zeitlich befristet und werden regelmäßig überprüft, weshalb sich eine langfristige Planung mit bleifreien Alternativen empfiehlt.

Eco Brass und Medical Brass als Alternativen im Detail

Für Anwendungen, die RoHS-Konformität erfordern, haben sich zwei Werkstoffgruppen als besonders praxistauglich erwiesen: Eco Brass und Medical Brass. Beide sind bleifreie Messinglegierungen, unterscheiden sich aber in ihrer Zusammensetzung und ihren Einsatzschwerpunkten.

Eco Brass

Eco Brass (typischerweise CuZn21Si3P, auch bekannt als C69300) ist eine siliziumhaltige Messinglegierung, die ohne Blei auskommt und dennoch gute Zerspanungseigenschaften bietet. Silizium übernimmt dabei die Funktion des Bleis als Spanbrecher, was die maschinelle Bearbeitung erleichtert. Eco Brass ist besonders für Armaturen, Sanitärtechnik und Komponenten geeignet, die sowohl Trinkwasserverträglichkeit als auch RoHS-Konformität erfordern.

Medical Brass

Medical Brass bezeichnet bleifreie Messinglegierungen, die speziell für den Einsatz in medizinischen Geräten und hygienisch sensiblen Umgebungen entwickelt wurden. Die genaue Zusammensetzung variiert je nach Hersteller, aber gemeinsam ist diesen Legierungen der sehr geringe Bleigehalt, der die RoHS-Anforderungen sicher unterschreitet, sowie eine hohe Korrosionsbeständigkeit. Für Medizintechnikhersteller ist Medical Brass oft die einzige realistische Option, wenn Messing als Werkstoff gesetzt ist.

Beide Varianten sind im Vergleich zu klassischem Automatenmessing etwas teurer und erfordern mitunter angepasste Bearbeitungsparameter. Wer frühzeitig auf diese Werkstoffe umstellt, vermeidet jedoch Zertifizierungsprobleme und aufwändige Nachweise in späteren Projektphasen. Weitere Kupfer-, Messing- und Bronzewerkstoffe bieten ebenfalls interessante Eigenschaften für spezifische Anforderungen jenseits der RoHS-Thematik.

Häufige Fehler bei der Werkstoffauswahl unter RoHS

In der Praxis entstehen RoHS-Probleme selten durch Unwissenheit über die Richtlinie selbst, sondern durch Fehler im Beschaffungs- und Dokumentationsprozess. Wer diese Stolperstellen kennt, kann sie gezielt umgehen.

Ein verbreiteter Fehler ist die Annahme, dass ein Werkstoff mit dem Kürzel „bleifrei“ automatisch RoHS-konform ist. Tatsächlich muss der Bleigehalt nachweislich unter 0,1 Gewichtsprozent liegen, und dieser Nachweis muss dokumentiert sein. Ein Materialzeugnis nach EN 10204 3.1 oder 3.2 ist hier das Mindesterfordernis. Händler oder Lieferanten, die nur ein 2.2-Zeugnis ausstellen können, bieten keine ausreichende Grundlage für die RoHS-Konformitätserklärung.

Ein weiterer Fehler betrifft die Verwechslung von Produktkonformität und Werkstoffkonformität. RoHS bewertet den homogenen Werkstoff, nicht das fertige Bauteil als Ganzes. Das bedeutet: Selbst wenn das Endprodukt insgesamt RoHS-konform erscheint, kann ein einzelnes Messingelement mit zu hohem Bleigehalt zur Nichtzulassung führen. Besonders in komplexen Baugruppen mit vielen Zukaufteilen ist eine lückenlose Werkstoffdokumentation unerlässlich.

Schließlich unterschätzen viele Betriebe den Zeitaufwand für die Werkstoffumstellung. Wer eine Serienproduktion von MS 58 auf Eco Brass umstellt, muss Bearbeitungsparameter anpassen, Werkzeugverschleiß neu bewerten und möglicherweise Freigabeprozesse beim Kunden durchlaufen. Diese Vorlaufzeiten sollten in der Projektplanung berücksichtigt werden.

Verfügbarkeit RoHS-konformer Messingwerkstoffe ab Lager

Die Nachfrage nach bleifreiem Messing ist in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen, aber die Lagerverfügbarkeit ist nicht überall gleich. Standardmäßig geführt werden RoHS-konforme Messingsorten noch längst nicht bei jedem Metallhändler, was bei kurzfristigem Bedarf zum Problem werden kann.

Für Fertigungsbetriebe, die unter Termindruck stehen, ist die Frage der Lagerhaltung daher mindestens genauso wichtig wie die der Werkstoffauswahl. Wer auf einen Lieferanten angewiesen ist, der Eco Brass oder Medical Brass erst auf Bestellung beschafft, riskiert Lieferverzögerungen, die den gesamten Produktionszyklus beeinflussen. Die Kombination aus breitem Werkstoffsortiment und kurzfristiger Verfügbarkeit ist deshalb ein entscheidendes Kriterium bei der Lieferantenauswahl.

Neben der reinen Materialverfügbarkeit spielt auch die Bearbeitung eine Rolle: Wer Halbzeug nicht nur als Stangenmaterial, sondern bereits in Fixlängen oder als zugesägtes Rohteil benötigt, spart intern Aufwand und Maschinenzeit. Präzise Fixlängen direkt vom Händler reduzieren den Handlingaufwand im eigenen Betrieb und beschleunigen den Weg vom Rohmaterial zum fertigen Bauteil.

Wie KLEINEBERG bei RoHS-konformem Messing unterstützt

Die H.KLEINEBERG GmbH führt RoHS-konforme Messingwerkstoffe ab Lager und bietet damit die Grundlage für eine verlässliche Beschaffung auch bei kurzfristigem Bedarf. Als Vollsortimentanbieter mit jahrzehntelanger Erfahrung im Metallhalbzeughandel unterstützt KLEINEBERG Fertigungs- und Engineering-Betriebe konkret:

  • Lagervorrat an bleifreien Messinglegierungen, darunter Eco Brass und Medical Brass, für kurzfristige Abrufe
  • Materialzeugnisse nach EN 10204 als Grundlage für RoHS-Konformitätsnachweise
  • Fixzuschnitte durch den eigenen Sägemaschinenpark, mit Einzelschnitten zum Folgetag
  • Persönliche Beratung durch erfahrene Vertriebsmitarbeiter bei der Werkstoffauswahl
  • Lieferung mit eigenem LKW-Fuhrpark im gesamten norddeutschen Raum

Wer RoHS-konformes Messing schnell und mit sauberem Materialnachweis benötigt, kann sich direkt an das KLEINEBERG-Team wenden. Über die Kontaktseite erreichen Sie den Vertrieb für eine unverbindliche Anfrage zu Verfügbarkeit, Abmessungen und Konditionen.

Ähnliche Artikel